Gedanken zur Jahreslosung 2007
Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? (Jesaja 43, 19a)
Bei diesen Worten der Jahreslosung muss ich an den Frühling denken. Krokusse, die sich durch die dunkle, feste Erde ihren Weg bahnen und unsere Augen mit ihren gelben und lila Farben erfreuen.
Gleichzeitig denke ich daran, dass unser Winter so gar nicht kommen will. "Wann wird's mal endlich wieder Winter?" möchte ich den alten Schlager umdichten. Wir brauchen doch diesen Wechsel zwischen warm und kalt, damit unsere Jahreszeiten und die Natur nicht aus dem Lot geraten. Läßt sich der Klimawandel noch aufhalten. Sind wir Menschen wirklich zur Umkehr bereit? Ist Umdenken möglich? Manchmal mag ich es nicht mehr glauben.
In dieser und anderen Situationen der Resignation möchte uns unsere Jahreslosung Mut machen, spricht sie hoffnungsvolle Worte. Schiller sagte: "Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen."
Das ist ja auch eine wunderbare Verheißung. Altes kann überwunden werden. Neues kann werden. Auch da, wo wir es nicht zu glauben gewagt haben. Menschen, die lange trauerten, erleben, dass sie neue Wege ins Leben finden. Politische Verhältnisse änderten sich anno 89. Ein Mann bekommt einen Job, obwohl er schon Mitte 50 ist.
"Gibt es etwas Neues?", fragt mich meine Freundin am Telefon. An der Stelle stocke ich manchmal und denke, mein Leben geht oft den gleichen Gang. Tag aus, Tag ein. Manchmal wäre es schön, den alten Trott zu durchbrechen. Aber muss es auch immer was Neues geben? Gewohnheiten geben auch Sicherheit, Geborgenheit. Sie brauchen nicht so viel Kraft wie Neues.
Auch in unserer Kirche und in der Gesellschaft wird so viel von Veränderung gesprochen. Veränderungen, die nötig sind. Sie schließen auch Verluste mit ein. Veränderungen sind nie "kurz und schmerzlos" zu haben. Deshalb machen wir gerne auch die Augen zu, wenn es darum geht, dass wir uns verändern müssen. Kein Wunder, dass wir gefragt werden: "Erkennt ihr es nicht?".
Neues geschieht auch manchmal so, dass wir es gar nicht sofort erkennen können. Erkennen bedeutet im Hebräischen nämlich nicht nur, dass wir es mit den Augen betrachten können, sondern meint auch, dass wir es ganz tief erfahren, etwas wissen, ganz dabei sind und uns um etwas kümmern.
Ein Lächeln, das neue Türen eröffnet, eine Begegnung, die dem Leben neue Einsicht gab, kann das Neue sein, von dem Gott zu uns spricht. Das Neue ist ein Geschenk, ich muss es nur sehen und ihm Raum geben, damit es wachsen kann. Solche Begegnungen, in denen Sie das erneuernde Wirken Gottes spüren, wünsche ich Ihnen, liebe Gemeinde. Amen.
Pfarrerin Inga Bödeker







