Gedanken zur Jahreslosung 2008
Jesus Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
(Joh 14,19)
Der Wunsch zu leben, ist der Motor, der uns antreibt. Menschen, die um ihr Leben gekämpft haben und ihre Angehörigen wissen, wovon ich rede.
Ich kenne ein Kind, das vor Leben strotzt, obwohl es zwei Tage fast tot war und sehr lange daran arbeiten musste, um wieder an dem teilnehmen zu können, was wir unter einem „normalen" Leben verstehen. Das Mädchen hat eine unglaubliche Lebenskraft. Ohne diese hätte sie nicht überlebt.
Aber: Was ist das Leben?
Mir fiel dazu ein schwedisches Märchen ein, das ich Ihnen verkürzt erzählen möchte:
An einem schönen Sommertage war um die Mittagszeit eine Stille im Wald eingetreten. Die Vögel steckten ihre Köpfe unter die Flügel. Alles ruhte. Da steckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: „Was ist das Leben?" Die Rose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt beiseite. Sie sprach: „Das Leben ist eine Entwicklung." Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Lustig flog er von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: „Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein." Drunten am Boden schleppte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst ab und sagte: „Das Leben ist nichts anderes als Mühe und Arbeit." Die weisen Reden hörte der Maulwurf und streckte seinen Kopf aus der Erde. Er sagte: „Das Leben ist ein Kampf im Dunkeln." Dann kam die Nacht. Mit einem lautlosen Flug glitt ein Uhu durch das Geäst des Waldes und krächzte: „Das Leben heißt: Die Gelegenheit nutzen, wenn andere schlafen."
Und schließlich ging ein junger Mann durch den menschenleeren Wald. Er kam von einer Lustbarkeit nach Hause und sagte vor sich hin: „Das Leben ist die ständige Suche nach Glück und eine Kette von Enttäuschungen."
Die Menschen verstehen unter Leben sehr verschiedene Dinge. Ist es das nackte Überleben? Viele Menschen auf dieser Welt haben nicht mehr.
Für uns ist es das, was darüber hinaus das Leben sinnvoll macht: Gesundheit, Kinder, Liebe, Wohlstand, Freunde. Was für den einen unbedingt nötig ist, ist für den anderen nicht so wichtig.
Ist mein Leben sinnvoll, so wie es ist? Bin ich mit meinem Leben zufrieden? Das wird unterschiedlich gesehen, je nach Lebenslage.
Wie verstehen wir unser Leben als Christen? Wir setzen unser Leben in Beziehung zu Christus. Das ist verbindet uns alle, wenn es auch jeweils anders aussehen mag, wie sich das in unserem Leben zeigt.
Die Jahreslosung 2008 macht uns klar, dass auch Jesus mit Leben etwas anderes meint, als das körperliche Überleben. Das zeigt sich daran, dass er diese Worte sagt, angesichts des gewaltsamen Todes, der ihm bevorsteht. Jesus will uns damit vermitteln, das Leben ist nicht leidensfrei. Das Leben geht oft nicht glatt. Es führt durch Höhen und Tiefen, über grüne Auen und finstere Täler, wie der 23. Psalm beschreibt. Oft merken wir gerade in schwierigen Momenten unseres Lebens erst richtig, was wirklich trägt. Welche Freunde uns begleiten, welche Worte uns trösten, welche Gebete uns Halt geben. Der Weg zum Leben ist ein Weg des Loslassens und der Hingabe. Aber auch ein Weg, der aus der Hoffnung lebt, dass es besser werden kann.
Ich wünsche Ihnen für 2008, dass ihr Leben gelingt und Sie sich durch den Glauben in ihrem Leben gestärkt fühlen.
Pfarrerin Inga Bödeker





