Startseite | Kontakt | Inhaltsübersicht | Impressum

Meine Zeit steht in deinen Händen

Ich habe Zeit!

Ja, wirklich? Das hört man selten! Ich rufe eine Freundin an und will mich verabreden. Nein, da kann ich nicht, da muss ich mit den Kindern zum Zahnarzt. Da sind wir eingeladen, da ist ein Elternabend. Schwer, sich in der Zeit immer voller Terminkalender Zeit füreinander zunehmen.

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät - denke ich, wenn der Vormittag schon fast rum ist und noch immer nicht alles geschafft ist, was ich tun wollte. War da der Zeitfresser am Werk?

Ich war’s nicht, oder? Vielleicht habe ich keine gute Tagesplanung gemacht oder habe mich ablenken lassen …? Steuere ich die Zeit oder sie mich? Ich habe Zeit! Haben? Das ist doch eine Illusion. Ich kann sie nicht haben, nicht festhalten.
Vor kurzem las ich in "Bild der Wissenschaft" einen Artikel mit dem Thema: Zeit ist nur eine Illusion. Schön, ihr lieben Physiker, dann muss ich mich auch nicht so von ihr treiben lassen, nicht wahr?

Auch in der Bibel lese ich in den Psalmen, dass tausend Jahre bei Gott sind wie der vergangene Tag. Zeit ist also sehr relativ. Eine Sache des Standpunktes. Für meine Tochter dauert es sehr lange beim Warten auf den ersten Schultag, für mich vergeht die Zeit viel zu schnell, wenn ich an ein freies Wochenende denke, dass viel zu schnell vorbei ist.

Alles hat seine Zeit, lese ich im Buch Prediger. Das heißt, alles ist vergänglich. Das stimmt wohl, etwas beginnt und endet, es hat seine Zeit und ist dann dahin. Vielleicht liegt es nur an dem Umgang mit der Zeit, dass sie einem schneller oder langsamer vorkommt. Wie wäre es mal mit Entschleunigung, mit bewusstem Genuss der Zeit, mit innerer Sammlung?

Ein Zen-Mönch wurde einmal gefragt, warum er trotz vieler Beschäftigung immer so gesammelt sein könnte. Dieser sagte: "Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. …" Der Fragesteller unterbrach ihn: "Das tun wir auch, was tust du darüber hinaus?" Der Mönch aber sagte wiederum: "Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich. …" Wieder sagten die Leute: "Das tun wir doch auch." "Nein", sagte der Mönch, "Wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon, wenn ihr steht, dann lauft ihr schon, wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel."

Ferienzeit, das ist die Zeit, die bald anbricht, für mache Senioren schon im Mai, für Familien im Juni. Zeit, um ganz bewusst bei dem zu bleiben, was man gerade macht, nicht die Gedanken schon auf das Nächste zu richten. Das ist wirklicher Genuss, jeden Moment auszukosten von dem, was dran ist. Im Urlaub sind das ja oft auch Momente, die wir gerne festhalten würden: der wunderbare Ausblick von einem Berggipfel, der gemütliche Abend bei einem Glas Wein in einer romantischen Bucht mit Blick auf das Wasser bei Sonnenuntergang. Herrlich. Wenn wir von dieser Ruhe doch auch etwas in den Alltag retten könnten!

Ferienzeit, Zeit, sich daran zu erinnern, wie der Psalm 31 sagt: "Meine Zeit steht in Deinen Händen". Nicht ich habe sie und habe sie mir gegeben, sondern Gott hat sie mir gegeben, der mich geschaffen hat.

Inga Bödeker

Tageslosung heute

Tageslosung

Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes.
(Psalm 50,23)

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
(1.Korinther 15,57)

Weitere Losungen